Kapitel 1 · 1927–1949
Die Anfänge
Eine Scheune, zwei Gesellen und ein Pferdewagen: Wie Wilhelm Ostermann 1927 seine Zimmerei gründete – und durch schwere Jahre brachte.
Wilhelm Ostermann war 28 Jahre alt, als er am 1. April 1927 sein Gewerbe als Zimmermeister anmeldete. Gelernt hatte er bei seinem Onkel in Neumünster, danach war er drei Jahre auf der Walz – bis nach Tirol und zurück.
Was er mitbrachte, war Erfahrung mit großen Dachstühlen und die Überzeugung, dass ein Handwerksbetrieb nur so gut ist wie sein Wort. Aufträge besiegelte er per Handschlag, Rechnungen schrieb er abends am Küchentisch.
Die ersten zwei Jahrzehnte waren geprägt von Arbeit, Krisen und dem Krieg. Dass die Zimmerei sie überstand, verdankt sie vor allem zwei Menschen: Wilhelm und seiner Frau Anna.
Historische Fotos in diesem Kapitel sind Symbolbilder.
Chronik
1927–1949
1927

Die Gründung
Mit dem Meisterbrief in der Tasche pachtet Wilhelm Ostermann eine Scheune am Mühlenweg. Zwei Gesellen, ein Pferdewagen, eine Hobelbank – mehr braucht es für den Anfang nicht.
1929
Der erste große Auftrag
Für die Dorfkirche baut die junge Zimmerei einen neuen Glockenstuhl aus Eiche. Er trägt die Glocken bis heute.
1931
Durch die Krise
Die Weltwirtschaftskrise erreicht auch das Land. Ostermann hält sich mit Reparaturen, Zäunen und Leiterwagen über Wasser – und entlässt keinen seiner Gesellen.
1936
Anna Ostermann
Wilhelm heiratet Anna Thiessen aus dem Nachbardorf. Sie führt fortan die Bücher und wird für Jahrzehnte das Gedächtnis des Betriebs.
1940
Die Kriegsjahre
Wilhelm wird eingezogen. Anna Ostermann hält den Betrieb mit zwei älteren Gesellen und einem Lehrling notdürftig am Laufen. 1946 kehrt Wilhelm aus der Gefangenschaft zurück.
1948

Neuanfang
Nach der Währungsreform baut Ostermann Dächer für Flüchtlingssiedlungen und zerstörte Höfe. Ende des Jahres zählt die Zimmerei acht Mitarbeiter.
„Ein Dach ist erst fertig, wenn es den ersten Sturm überstanden hat.“
Wilhelm Ostermann, überliefert von seinem Sohn

Werkzeug, wie es in den ersten Jahren auf jeder Baustelle dabei war (Symbolbild).

Gehobelt wurde bis in die Fünfzigerjahre von Hand (Symbolbild).
